Samstag, 13. Mai 2017

Die verlorenen Kinder der Hannelore K.

 Aktuelles Original bei Genderlei
Sperrtitel: Kurze Betrachtung eines vorbeigehenden Unmenschen[i] zur Wahl in NRW an Hand von Wahlplakaten der Regierungsparteien in meiner kleinen Stadt.
Ausgangspunkt des Ausblicks auf die morgige Wahl ist die Rückschau auf das allseits bewunderte SPD-Siegerplakat der vorangegangenen Wahl mit dem Slogan „Wir lassen kein Kind zurück“ und der url nicht der SPD in NRW, sondern der Site von Kraft. Auch auf diesem leicht zu ergooglenden Bild kann der Betrachter genau die Wertschätzung der Kraft-Partei für Kinder ohne Y-Defizit erkennen: Im Vordergrund ganz am Rande, fast aus dem Bild fallend ist noch ein einsamer Junge zu erkennen, ganz sich selbst überlassen – was beileibe leider nicht das Schlechteste für ihn ist. Im aktuellen Hauptplakat mit Kind ist der kleine Unmensch schon komplett aussortiert und nur noch zwei gleichgesichtige Gören im Stile upgedateter Shirley Temples: zuckersüß&blond. Auch sehr schön: Hannelore als Belehrende eines pseudobarttragenden(?) „Schmerzensmann“ – hier groß im Hintergrund, das Bild dominierend sein wachsames Frauchen. Wunderbar wie Frau Kraft hier klassische weibliche Geschlechterrollenklischees ausschlachtet: Der Zweck soll bekanntlich die Mittel heilen.

Shirley Temple 1937 als Covergirl von The Queenslander triumphierend in Uniform und Kilt
Shirley Temple (1937)
Bildquelle: Wikimedia

Unklar hingegen ein viel selteneres Plakätchen mit einem Fußballtrainer (m) und 3 oder 4 Kindern, darunter etwas abseits nur ein einziges, zudem kleineres Mädchen mit Torwarthandschuhen – ich nehme mal an, es soll heißen: Viel ist erreicht, aber viel bleibt zu tun! Ungeachtet die Nachwuchsförderprogramme des DFB sehr viel höhere Mittel pro Mädchenkopf ausschütten und wann immer Jungen gezwungen sind mit Mädchen Fußball zu spielen, sie klaglos einstecken müssen, aber niemals zurücktreten dürfen, nicht mal mit angezogener Handbremse. Richtig irritiert bin ich hingegen von den ausgesprochen zurückhaltenden Plakaten der Grünen auf denen der sonst übliche Personenkult ihrer Kandidatinnen auf höchst unökologisch riesigen Vielfarbdrucken komplett zu fehlen scheint; was ist aus der allgegenwärtigen fett-feisten Fratze Löhrmanns und ihrer 2-Zentner[ii]-Süffisanz geworden? Hat die grüne Parteikirche EKD sie mittlerweile zur Päpstin ausgeworfen, den Vatikan zu plätten?
Wie auch immer, weiblicher Eitelkeit im Personenkult geben auch SPD und CDU mit ihren lokalen Kandidatinnen genügend Raum- und Ressourcenverschwendung; da kann der örtliche männliche CDU-Kandidat ganz sein Mauerblümchendasein genießen, aber er ist ja auch bloß der Landesvorsitzende und Kandidat fürs Ministerpräsidentenamt…
[i] gemäß der SPD Grundsatzprogrammatik: „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“ Hier sprechen Quotenfrauen von Männern Gnaden dem Männlichen das Menschliche ab, ungeachtet es alleine Männer waren, welche die Menschlichkeit entdeckten/erschufen und die Menschenrechte proklamierten, beides existiert nämlich nur in der männlichen Vorstellung. Die Menschlichkeit liegt wohl als Potential allein im Y-Chromosom, ebenso wie Kreativität und die urmenschliche Gabe aus sich selbst heraus richtig von falsch zu unterscheiden. (Kurzfassung, zu weiteren Erläuterung s. die Menschenrechtstrilogie und die Männerfantasie vom edlen Weib.)

[ii] Zum Schlankheitswahn-Wahn möge die Suchfunktion meiner Site bemüht werden und die Älteren sich erinnern wie selbstverständlich die Beleibtheit eines Herrn Kohl stets bekalauert wurde – bei heutigen gewichtigen Männern wird’s kaum  anders sein, oder?
 

Freitag, 12. Mai 2017

La Première dame der Kinderschänder

 Aktuelles Original bei Genderlei
Vor einigen Tagen wurde ich beim Wikipedia-Zappen wieder mal von meiner Insel der seligen Unkenntnis vertrieben als ich erfuhr, dass in Frankreich bald eine sogenannte Kinderschänderin, achnein die Bezeichnung gibt es ja nur in männlich, also ein „Cougar“ zur Präsidentenfrau aufsteigen wird und ihrer Kinderfickerei wegen noch nicht mal ihren Lehrerposten verlor: umgekehrt völlig undenkbar. Ein Lehrer, der mit einer 14-jährigen (entspricht sexualmedizinisch mindestens einem 15-jährigen) rumgefickt hätte! Und selbstverständlich hätte er nicht nur seinen Job verloren, sondern wäre überall als „Kinderschänder“ getaggt, ungeachtet es sich auch juristisch nicht um Kinder handelt, und ebenso selbstverständlich hätte der von der Medienmeute aufgewiegelte Mainstream-Mob nicht geruht bis der Mann nicht nur um seine Existenz, sondern auch seine physische Freiheit gebracht worden wäre. Aber sobald der Täter zugleich eine Täterin ist, kommt der Superweib-Opferabo-Kombireflex zum Tragen: Eine Frau die serienweise ihre Kinder ermordete, wird als unglaublich einsam bedauert und es zugleich als ganz toll bewundert, wie sie der Familie durch „postnatale Abtreibung“ den Jahresurlaub ermöglichte – eine Nazifotze (oh: Naziwichser ist ok, aber Nazif**** geht gar nicht: total sexistisch) die serienweise wahllos „Ausländer“ mit ermordete, ist wahlweise das bedauernswerteste (neben der Butze = Bullenfotze) der Opfer dieser beiden bösen Männer oder eine selbstbewusste toughe Frau, die sich von den völlig unfähigen „Kerlen“ nicht „die Butter vom Brot nehmen ließ“ – oder eben weibliche Kinderschänder metamorphosieren zu „Cougars“, die noch bedauert und bewundert werden, dass sie ihrer widerwärtige Geilheit nicht ungenierter noch frönen durften und dabei sogar von einigen Ewig Gestrigen schief angeguckt werden, was für eine mutige Liebe! Eine juristisch einwandfreie Kinderschänderin, die vieldutzendfach einen Jungen missbrauchte, wird nicht einen Tag eingesperrt, sondern bei Maischberger beklatscht und durfte auch noch ihr grotesk in einen Anzug gepferchtes Opfer einem Millionenpublikum zur Schau stellen: Hat er doch freiwillig gemacht, hähä. Im umgekehrten Fall, als das noch möglich war, wurde das Festhalten von Mädchen an den erwachsenen Liebhaber für den Mann noch zusätzlich zum Verhängnis, weil als Beweis angesehen, wie total seine Manipulation und psychische Gewaltausübung das Mädchen beherrschte; mittlerweile ist das nicht mehr möglich, da ein Mann, ein Junge beim leisesten Verdacht erstmal einkassiert wird (Ausnahmen sind grds. immer möglich) ggf. mit anschließendem strikten Kontaktverbot. Und die beiden hier skizzierten Kinderschänderinnen sind zudem auch noch exemplarische alte Schachteln von zunächst um die Vierzig, also das klassische Alter von „alten Säcken“, nur das Frauen früher und brutaler Altern: Achnein, umgekehrt natürlich: Mädchen reifen zwar schneller und was in Kindheit und Jugend Reife, ist beim Erwachsenen Alterung, aber das ist Tabu und somit unwahr, genauso wie das schwächere Bindegewebe von Frauen (Folge: Schwabbel statt strammer „Bierbauch“) und das die längere Reife von Jungen Ausdruck des komplexeren Organismusses ist (Stichwort Y-Chromosom). Allgemein ist es durchaus eine Binsenweisheit: Je komplexer ein Organismus, je länger die Reifephase: Auf Jungen darf das allerdings nicht nur nicht angewandt werden, nein im Gegenteil sie müssen sich von ihren eigenen Erzieherinnen als defizitär darob bespötteln lassen: nicht bös gemeint, natürlich, wie eingangs gesehen morden und schänden Frauen ja sogar nur aus den hehrsten Motiven…
Mit Liebermannschem Gruß…
PS: Selbst gemäß einer Schätzung der Polizei in Zusammenarbeit mit einer feministischen Opferschutzgruppe sind 15-25% der Täter im Straftatbereich Kindesmissbrauch Frauen – in den Haftanstalten liegt die Frauenquote bei dem Delikt hingegen i.a.R. bei 0%.
Genderjustiz, Opferabo, Pamphlete&Polemiken, , , , , ,

Mittwoch, 1. März 2017

Was kommt nach Lebenslänglich?


 Aktuelles Original bei Genderlei
Vor 6, 7 Jahren hörte ich eine Highendjournalistin mit einer Jura-Professorin darüber plaudern, dass die Justiz weiblicher, emotionaler werden müsse – Urteile nach Bauchgefühl. Dass der Bauch der Ort der Vorurteilsentstehung und -bestätigung ist, wird ebenso übersehen, wie dass eine emotionsgeleitete Justiz die Aufhebung rechtsstaatlicher Bemühungen bedeutet, indem kodifiziertes Recht (z)ersetzt wird durch das momentane Empfinden der Einzelnen und der Masse. Das Resultat wäre letztendlich Willkür mit gefährlicher Nähe und Offenheit zur Mobjustiz. Sehr abstoßend konnte das schon beim Heldenprozess Brunner 2010 beobachtet werden. Ein rechtschaffener Bürger mittleren Alters erliegt einem Herzanfall, während seiner gewalttätigen Erziehungsmaßnahme einem jugendlichen Schläger gegenüber mit dem Ergebnis, dass der Junge wegen Mordes fast zur Höchststrafe verurteilt wurde. Schon damals fanden es „alle“ toll. Der normale Mensch braucht ebenso sehr Objekte der Verherrlichung wie Sündenböcke. In solchen Bauchprozessen drückt sich das mustergültig aus und das Establishment vereint sich zur Masse. Endlich wird das Komplexe wieder auch offiziell einfach gemacht. Und dass der Täter, pardon das Opfer, selbst eine unreflektierte aus dem Bauch handelnde Person war machte ihn, wie die Heute-Moderatorin so ungeniert entlarvend feststellte, „so schön menschlich“. Ob die örtliche Schule dann tatsächlich nach diesem Brunner benannt wurde, habe ich nicht mehr mitbekommen. Das Fass des Medienekels war für mich voll, seit Frühjahr 2011 ist TV erneut abgeschafft und erstmalig auch Radio; mittlerweile gilt es jedoch für höchst verpönt den Medien durchweg negativ gegenüberzustehen: Nazi! oder bei sich „differenziert“ gebenden: Querfrontler! schallt es wie aus einem Mund. Nichts hat sich nachhaltig gebessert nach dem verheerenden, dann aber auch kurzzeitig trügerisch lehrsam scheinenden 20. Jahrhundert. Ein mauer Moment des allgemeinen Innehaltens, sich zaghaft umschauend, ob man tatsächlich nochmal davon gekommen ist und schon ist die Masse wieder da mit neuen Lügen, die mit neuen Tabus und Totschlagsphrasen bewehrt sind, im alten Spiel Jagd den Sündenbock. Wieder wähnt sich die Menge als die Guten, da sie doch nicht mehr den alten, längst verbotenen Lügen huldigt, sondern wie eh&je den grad an- und vorgesagten im modischen Zeitgeistgewand. Nichts hat sich geändert, wie eine brachliegende Website, in der eine implementierte Vorlage gelegentlich zentral automatisch aktualisiert wird und der Site eine neue Ansicht beschert – und doch ist sie ganz dieselbe geblieben.

Wie ich dieser Tage zufällig einer Schlagzeile entnehmen musste ist die Irrationalisierung der Welt auch im allgemeinen Justizbereich weiter fortgeschritten: Während eine Frau etwa, die serienmäßig über Jahre hinweg Kinder ermordet, zum Opfer erklärt mit wenigen Jahren wegen Totschlags davonkommt, wurden nun zwei zu Mördern gemachte Männer zu lebenslang verurteilt wegen einer tödlichen Raserei: Höchststrafe! Es gibt in Deutschland kein höheres Strafmaß. Und wie ich am nächsten Tag aus der nächsten Schlagzeile erfuhr, wird das historische Urteil von der Politik einhellig begrüßt – auch hier offenbar wie aus einem Mund, dem Mund der Einheitsmeinugsgesellschaft.
Das ist kollektive Rechtsbeugung – nein ich bin kein Jurist und ob Rechtsbeugung der richtige Begriff ist, weiß ich auch nicht, aber ich weiß es ist zunehmend himmelschreiendes Unrecht was auch in deutschen Gerichtsälen verurteilt wird, und illegal ist es auch. Ach, das kann ich nicht beurteilen? Komisch, im Nachhinein wird das stets anders gesehen, da weiß heute jeder, dass die Justiz ferner Zeiten und ferner Länder juristisch-rabulistisch wohl begründet Unrecht sprach und selbst die geltenden Gesetze brach, aber im Hier&Jetzt sind die Staatsjuristen in Justiz und Hochschulen natürlich über jeden Verdacht erhaben, obwohl sie sich mittlerweile brüsten ihren Vor-Vorgängern, wie sie selbst Richter oder Professoren der Bundesrepublik, genau das vorzuwerfen was ihnen selbst vorzuwerfen ist, nämlich verfassungswidrige Urteile und Kommentare abgegeben zu haben. Beide Generationen gleichermaßen befangen im Sinne des herrschenden Zeitgeistes. Die Richter der Adenauerzeit sind exakt dieselben wie die jungen Gender-, Opferabo- und Nulltoleranzrichter des Jetzt‘ – nur die Zeitgeistvorlage wurde zentral geändert. Zu den bedeutendsten Aufgaben der staatlich besoldeten Juristen, dazu zählen letztendlich auch Freiberufler, gehört in der bürgerlichen Welt in historischer Ergänzung oder Ablösung der Staatspriester bestehendes Unrecht für rechtens zu erklären, bestehende Ungerechtigkeit für gerecht. Das war immer und überall so, mal mehr mal weniger, außer natürlich stets aufs Neue im Hier&Jetzt: Völlig klar, wer heutige deutsche Juristen für falsch und befangen hält ist ein Verbrecher oder ein Troll, ein Nazi oder ein Reichsbürger, schallt es grade von Leuten, die sich für Links und inklusionistisch halten wollen – aber solche Trolle, die der Einheitsmeinung nicht frönen wollen, müssen draußen bleiben aus der inklusionistischen Gesellschaft und rein in die Knäste und Klapsen. Es ist nur eine Frage kurzer Zeit, wann in Deutschland und der EU die Todesstrafe wiederkommt, denn spätestens nach dem „historischen Urteil“ dieser Tage fehlt es nach oben hin an der Strafskala gewaltig zur angemessenen Eskalation oder sind Raser jetzt die „Allerschlimmsten“? Ich höre schon die vollmundigen Bekenntnisse aus aller Parteien, aller Medien Einheitsmund gegen, ja aber sicher gegen die Todesstrafe: „Selbstverständlich stehe ich auf gegen die Todesstrafe, außer natürlich bei x-men, y-men und z-men – versteht doch jede von selbst, meine Damen!“
Ach noch was: Da fällt mir grad eine vorbeigegangene Schlagzeile aus dem (vor-) vergangenen Jahr ein, als eine Altgrüne wohl im Jahrhundert verpeilt tatsächlich eine Rechtfertigung für einen gezielten polizeilichen Todesschuss gegen einen männlichen Mörder verlangte, als ob Menschenrechte auch für solche Mörder gälten: hä, hä! Tja, per definitionem sind Menschenrechte unveräußerlich und die Würde des schlimmsten Täters ist exakt dieselbe in Quantität und Qualität wie die des bedauernswertesten Opfers – wobei die Einschätzung wer als Schlimmster und wer als Ärmste gilt sehr der Mode unterliegt – doch leider will niemand die Menschenrechte anerkennen, denn dann gäbe es weder Sündenböcke noch Heroen, niemanden zum Verachten und niemanden zum Verklären. – Bei der Grünen am Anfang des Endabschnitts gehe ich von einem vielleicht durch psychotrope Substanzen oder auch bloß gefühlten Stress bewirkten momentanen Atavismus aus, der die Kommentarreflexe eines Grünen-Politikers der 1980er Jahre nochmals hervorlockte. Jedenfalls dürfte es die einzige vernünftige Äußerung einer Grünen seit meinen späten Kindertagen und dem frühen (Frei-)Tod Petra Kellys gewesen sein.
Und was bleibt als letzter Hoffnungshalm? Mitte der 1980er Jahre schien die Berliner Mauer auch noch unumstößlich in Stein gemeißelt…

Montag, 16. Januar 2017

Das empathische Geschlecht

 Aktuelles Original bei Genderlei
Frauen werden seit jeher gerne als empathisch bezeichnet komplementär zu ihrer Logikunfähigkeit  – während der eine Teil auf dem Index verbotener Geschlechtsstereotype weit oben steht, ist der andere Teil mehr denn je fester Bestandteil der öffentlichen Meinung. Beides ist jedoch gleichermaßen Ausdruck der klassischen Zuweisung angeborener Eigenschaften und daraus resultierenden gesellschaftlichen Rollen mit ihren besonderen Rechten und Pflichten.  Während männliche Privilegien hingegen längst abgeschafft sind,[i] werden weibliche meist bestätigt und bestärkt: Männer müssen arbeiten – Frauen müssen arbeiten dürfen (siehe Wehrpflicht oder die Sanktionspraxis der Jobcenter). Im Wesentlichen gab es die klassische Rollenverteilung mindestens seit Beginn der Zivilisation; umfassend gesellschaftsprägend kultiviert wurde sie jedoch erst mit Beginn und Etablierung des bürgerlichen Zeitalters im Verlauf des 19. Jahrhunderts in Romantik, Biedermeier und nicht zuletzt der Arbeiterbewegung (vgl. hierzu Für Gott und Vaterland oder die Apotheose des Weibes zur Frau).
Die DKV wirbt mit Weiblicher Empathielosigkeit
Weibliche Empathielosigkeit&Schadenfreude
Aber was ist dran an der sprichwörtlichen weiblichen Empathie? Tatsächlich kann in der heutigen Zeit jeder Mann sicher sein bei einem Unglücksfall auf nunmehr unverhohlene weibliche Schadenfreude zu stoßen. Das Foto zum Beitrag verdeutlicht wie sehr dies selbstverständlicher Standard geworden ist, da es gänzlich unreflektiert eine bundesweite Werbekampagne eines international tätigen Versicherungskonzern schmückt – denn eins kann den Verantwortlichen sicherlich nicht vorgeworfen werden: Dilettantismus, mangelnde Professionalität. Tatsächlich verhalten sich Frauen nur dann und soweit empathisch wie es von ihnen erwartet wird. In Zeiten in denen eine Plattheit wie Brave Mädchen kommen in den Himmel – böse Mädchen kommen überall hin außer ins Gefängnis bereits Methusalemstatus unter den Sprüchen hat, folglich die Aussage weithin abgesichert und mit 110% gefühlter Garantie versehen ist, ist Empathie Frauen nur noch obsoleter Ballast, der allmählich, sich zunächst zaghaft vortastend wie weit man ungestraft gehen könnte, abgelegt wurde; mittlerweile macht die weibliche Empathielosigkeit nicht mal vor den eigenen Kindern halt: „Wie mache ich den kleinen Kerl mundtot“  tönt es in einschlägigen Mütterforen, ist er dann schweigsam, wird ihm auch das vorgeworfen und die drauflos plappernde Schwester vorgehalten, bildet er dann Symptome, wird der „kleine Kerl“  massenhaft mit Methylphenidat ruhig- und kaltgestellt: 10% aller Jungen ereilt dieses Schicksal selbst in Deutschland, Tendenz auch hier weiter steigend (Quelle: BARMER GEK – Arztreport 2013). Spätestens jetzt verabschiedete sich auch der geneigteste Mann: Frauen zu kritisieren ist schon Tabu, doch der innerste Bereich des Tabus ist der Mutter-Mythos – Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Feminismus mit diesem Mythos aufräumen wollte, in dem sie die Frau gefangen sah. Jeder könnte es allerdings in seinem Umfeld bestätigt sehen, doch da greift die von den grad herrschenden Vorurteilen geprägte Wahrnehmung: Wer krumme Nasen sehen will, sieht krumme Nasen; und ebenso selbstverständlich sind Vorurteile nicht primär bei einzelnen Außenseitern, sondern stets im (v.a. offiziellen) Mainstream beheimatet, aber da beißt sich die Katze in den Schwanz. Wenn dann eine Mutter öffentlich ihren kleinen Sohn lieblos reglementiert oder anschnauzt, denken alle wie in einem Kopf: „Was hat die armtolle Frau es doch schwer mit diesem bösen Jungen“ In Österreich (EU) ist sogar eine „Kinderschänderin“, die einen 12-jährigen schwer missbrauchte zu einer kleinen Geldstrafe ausdrücklich unter der Vorstrafengrenze nur verurteilt worden mit der richterlichen Ermahnung, sie hätte dem Lüstling doch besser eine runtergehauen und im Übrigen sei er ja bereits zuvor mehrfach missbraucht worden, das nennt sich dann bei männlichen Kindern allerdings „sexuell erfahren“ – Beleg lieferte ich bei Bedarf nach.
Derart erschöpft sich weibliche „Empathie“ heute weitestgehend auf kollektives Selbstmitleid und -beweihräucherung. Ganz gleich was eine Frau macht, auch dann wenn es die übelsten Freveltaten der hiesigen Gesellschaftsordnung sind, sie will stets als Opfer wahrgenommen sein und auch darin noch mit einem Quäntchen Superweib: Was hätten etwa die mörderischen Uwes ohne die soziale Kompetenz ihres Frauchens gemacht, das allein die Fäden in der Hand hielt, das Sagen hatte – TARA! Es folgt der logische Salto Mortale –  und doch keine Verantwortung, Schuld waren allein die deppert-sinistren Männer, die ihr armtolles Frauchen zu morden zwangen: Keiner schreit auf…
Dass ihre ‚Feigheit‘ vor dem Tod dann noch geschwind umgedeutet wird, sind da nur noch zerebrale Peanuts, ungeachtet es ein allgemeiner Topos zur Kenntlichmachung des erbärmlichsten Feiglings ist, dass er jammernd und bibbernd vor dem Tod zurückschreckt; aber diese Konsistenzlosigkeit mag auch in der naturgemäßen Beurteilung des Suizides ausschließlich durch Nichtsuizidenten begründet sein. Trotzdem wird der Feigling im Fiktiven weiterhin durch seine Unfähigkeit zum Suizid gekennzeichnet, während es in der Realität der bürgerlichen Welt genau umgekehrt gehandhabt wird – ursprünglich quasi als Ächtung einer Art Sachbeschädigung am Humankapital zu Lasten des Kapitalnutzers. Eine der zahllosen Alltagsschizophrenien im Denken des normalen Menschen, für die es ’natürlich‘ noch ein paar weitere Gründe außer dem (bürgerlichen) Schutz des Eigentums an Produktionsmitteln gibt.

[i] Wo gibt es noch ein Gesetz, das zugunsten Männer oder Jungen ist? Nein, und auch die informellen Strukturen sind nach 40 Jahren Frauenförderung und -parteilichkeit sowie 20 Jahren Gendermainstreaming längst schon nicht mehr geschlechter- sondern einzig frauengerecht. Hier prallt Realität auf staatlich massiv geforderte und geförderte „gefühlte Realität“, wobei dieser enorme staatliche und gesellschaftliche Druck die klassische Schweigespirale zunehmend in ein internales Denkverbot umwandelt.

Dienstag, 13. Dezember 2016

Gräueltaten sogar an Frauen?

Aktuelles Original bei GenderleiIn Aleppo soll es wieder zu Gräueltaten an Zivilisten gekommen sein –
vielleicht sogar an Frauen. So wird es vom IRK und dem südkoreanischen UN-Generalsekretär beklagt als mögliche ungeheuerliche Steigerung der selbstverständlichen Gräueltaten gegen (männliche) Zivilisten, Zivilisten, die das Pech haben Nur-Zivilist zu sein, ohne Zivilistinnenschutz, der zwar nicht 100% schützt, aber weltweit um ein vielfaches wirksamer. Dem globalen Opferabo tut das indes in symptomatischer Vorurteilsmanier keinen Abbruch.
Gräueltaten an Zivilisten sind also schlimmer, wenn die Zivilisten weiblich sind: In einer fauligen Melange alter Kavaliersreflexe aus sogenannt patriarchalischen Strukturen erwachsen und der aktuellen „Hypersensibilität“ bezüglich weiblicher Nöte, werden momentan Menschenrechte in exklusive Frauenrechte aufgelöst. Wieder oder weiterhin soll es höher- und minderwertige Menschen geben, als ob es höheren und niederen Schmerz gäbe und nicht alle derselben Menschenwürde teilhaftig wären. Solange fast niemand annehmen will, dass Menschenrecht und Menschenwürde nur entweder ist oder nicht ist, es kein mehr oder weniger, kein „nur wenn, dann“ geben kann, wird stets Gewalt unter den Leuten sein. Erst wenn (an)erkannt wird, dass die Menschenwürde der schlimmsten Täter genau dieselbe ist, wie die der bedauerlichsten Opfer, wird Frieden eine Möglichkeit. Aber das will der Mensch nicht, denn er braucht Sündenböcke ebenso wie Objekte der Verherrlichung, er will seine unscheinbare kleine Existenz aufgewertet sehen durch ein zu den Guten gehören; das geht aber kategorisch nur in einer Abwertung anderer. Und selbst der versprengteste Einzelne braucht noch eine menschliche Projektionsfläche, die ihn mit Inbrunst ausrufen lässt: „Ich bin zwar Scheiße, aber so scheiße wie der da, bin ich immerhin nicht! (– Lyncht also nicht mich, sondern lasst uns gemeinsam den da aufhängen!)“ Billigste Küchenpsychologie dieser Sündenbockkonstrukt, der aber nicht mal in sogenannten Qualitätsmedien vom Prügelknaben (richtig) unterschieden wird. Wohlstands- und Bildungsexpansion haben den meisten, dem Mainstream keinerlei nachhaltigen Erkenntnisgewinn gebracht, sondern allenfalls ein Mehr an auswendig gelernten Phrasen, die ihrerseits lediglich der Dokumentation eigener Überlegenheit und v.a., durch die richtige Auswahl, der Zugehörigkeit zu den Rechtdenkenden dient. Wieder scheint eine aufklärerisch-philanthropische Hoffnung Illusion geworden…

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Selber schuld

Aktuelles Original bei Genderlei
Neulich in der Apotheke. Die Kundin vor mir im ausufernden Gespräch.[1] Aufm Tresen ein Werbedisplay: Schlaflosigkeit kann viele Ursachen haben. Es wird uns ein Mann präsentiert und ein fetttriefender Hamburger: Wer’s nicht versteht, kriegt’s auch schriftlich: Falsch Essen kann ein Grund sein. Der nächste Schlaflose lümmelt sich fett&feist schnarchend aufm Sofa, androphobe Klischees in ähnlich grotesk verzerrter Weise transportierend wie weiland antisemitische; Schnarchen kann auch ein Grund sein, soll es sagen. Ganz anders der dritte Gepeinigte: Eine armtolle Frau von Gram gebeugt, sich heldenhaft-hilflos den Kopf greifend, doch das Leid nicht abwerfen könnend; wir erfahren, auch Sorgen, Kummer und Nöte können schlafraubend sein. (vgl. Opferabo auf Staatskosten) Und so geht’s von der Wiege bis zur Bahre: wLeute sind niemals ihre Probleme selber schuld – mLeute hingegen stets, quasi zum Ausgleich von Innen und Außen: Externale Kausalattribution bei Frauen, internale bei Männern (und Jungen). Bei Frauen sind’s halt die Verhältnisse, bei Männern das eigene Verhalten, aber das natürlich nur im Negativen. Geht oder ist etwas gut, dann hat mann natürlich bloß Dusel gehabt oder die unvermeidlich „starke“ Frau hat’s im Hintergrund geregelt (s. Das Agrippina-Phänomen). Wann immer ein Mann oder auch Junge ansetzen mag einen Misserfolg (teilweise) mit äußeren Faktoren zu erklären, wird reflexmäßig in der Art mustergültiger Vorurteile, die sich dementsprechend durch keinerlei Fakten beirren lassen, im Chor ausgerufen „was für eine billige Ausrede“ – zuletzt las ich sogar von jemandem der meinte eine Fußballmannschaft, der Männer bezüglich der WM 2002, müsse auch gegen den Schiedsrichter gewinnen können: Das ist letztendlich schlicht unmöglich. Auf Frauenfußball wird diese Hardcore-Variante der menschlichen Hybris man sei allein seines Glückes und Lebens Schmied gendergerecht nicht übertragen; es sei an die deutschen Fußballversagerinnen der FrauenWM 2011 erinnert, die mit größter Klappe und Logikvergessenheit im Vorfeld schon so laut tönten, dritte Plätze seien nur was für Männer, dass selbst der dauerschläfrige Fußballgott blitzwütend erwachte und sie bereits in der Vorrunde rausdonnerten – nicht aber wohlverdienter Hohn&Spott waren die Folge, sondern weinerliches Bedauern vermischt gar noch mit grotesker Beweihräucherung![2]
Ganz gleich wie offensichtlich der Fehler bei einer Frau liegt, überall, nicht nur im Privaten, wird es mittlerweile als selbstverständlich angesehen, dass der nächststehende Mann sich mit fremden Fehlern schmückend die Schuld auf sich nimmt oder mindestens den weiblichen Fehler ignoriert.[3] Wenn etwa eine Arzthelferin nicht sauber die Vene trifft, dann ist mein erster Gedanke, dass meine guten Venen über Nacht spröde geworden sein mögen oder ein plötzliches unbemerktes Zucken meinen Arm erzittern ließ; wenn Männer es sind, die eine innovative und sensationell erfolgreiche Enzyklopädie oder Partei in unermüdlichem Ehrenamt aus dem Nichts erschaffen, dann rühmen sie sich dessen nicht, sondern lassen sich klaglos als „Sexisten“ beschimpfen, das Resultat ihrer Kreativität demütig ‚den Frauen‘ übergebend – natürlich erst wenn es sich lohnt und der Laden läuft – in Gestalt der Piratenpartei führte dies zu viel Medienfutter und den rapiden Sturz zurück in die Bedeutungslosigkeit; in Gestalt der Wikipedia ist der Prozess auf Grund der eigentümlichen Strukturen dort etwas schwerfälliger – während hingegen die Eigentümlichkeiten der PP die Übernahme erleichterten.
Aber auch hier wird die Sicht der meisten, ja aller Männer durch die klassische Kopplung von Kavaliers- und Konkurrenzreflexen getrübt – es scheint ja stets nur den Nebenmann zu treffen. Und so sollte man einer Frau ihre Fehler nur vorhalten, wenn kein Mann in Hörweite, weil ansonsten es eh nur wieder ein überflüssiger Kavalierskonflikt wird.

[1] Soll ich da etwa ein Geschlechtsstereotyp unterschwellig bedienen? Tatsächlich: Überall „Sexismus“. Nicht dass dieses Stereotyp von Politik&Medien unverwendet bliebe, aber natürlich nur positiv als überlegene Kommunikativität. Fazit: Offensichtlich plappern Frauen mehr – und das kann auch negativ gesehen werden – darf aber nicht. Zudem nehmen sich Mitarbeiter von Apotheken und Arztpraxen für weibliche Kundschaft auch mehr Zeit…


[2] Für das Überwinden problematischer Lebenslagen hat es sich als günstig erwiesen, wenn der Jetztzustand vom Betroffenen external kausalattribuiert wird, die weitere Entwicklung jedoch internal; platt ausgedrückt: Dass es so mies ist, wie es ist, bin ich nicht schuld – dass es ab jetzt gut wird, liegt ganz in meiner Hand. Das ist eine der vielen Alltagsschizophrenien in denen der Mensch befangen ist, umso mehr je größer seine „soziale Intelligenz“.


[3] Da das Gros der jungen Männer mittlerweile einen vegetativen Schuldaufsichnehm-Reflex hat, profitiere selbst ich zuweilen vom Weiberwahn: Zuletzt habe ich zweimal kurz hintereinander auf dem Bürgersteig mit dem Fahrrad, es schiebend manövrierend, jeweils so einen netten Pseudobartträger 100%-schuldhaft hart an der Schmerz- und Verletzungsgrenze angestoßen. In beiden Fällen entschuldigten sich die sich als „Schmerzensmänner“ verhöhnen Lassenden vorbildlichst und vergewisserten sich rührigst, dass ihre Knochen meinem Fahrrad keinen Schaden zugefügt hätten. Erst war ich amüsiert, dann erzürnt auf deren Erzieherinnen und schließlich resigniert: üblicher Dreiklang.

Montag, 5. Dezember 2016

Zeit-Ansichten : Vorurteil & Tabu



Offener Brief an einen Freund

Du empörst dich über einen Araber mit einer 14-jährigen Ehefrau, beschimpfst ihn politisch korrekt als Kinderficker oder ähnliches. Die Tatsache auszusprechen, dass die durchschnittliche 14-jährige längst kein Kind mehr ist, wird zu einem riskanten Unterfangen. Nicht hingegen empörst du dich über eine alte Schachtel, die gewohnheitsmäßig einen 13-jährige Jungen fickt und dafür nicht einen einzigen Tag in Haft kommt, sondern bei Maischberger als „cougar“ gewürdigt wird: Das geht links rein und rechts wieder raus, auch nach der X.-Wiederholung noch nie gehört, das passt nicht ins Schema der herrschenden Vorurteile; ganz anders die Mystifizierung und Dämonisierung des natürlichsten sexuellen Aktes, selbstverständlich nur in männlicher Gestalt. Eh! Das ist bloß Sex, kein großes Ding, da fügen sich lediglich zwei komplementäre, füreinander geschaffene Körperteile ineinander: that‘ s all. Hoffnungslos. Da hätte jemand 1914 auch Volk&Nation für läppsch erklären können.
Nicht empörst du dich, dass ein unbescholtener 15-jähriger in den Jugendknast geworfen wird, weil er eine 13-jährige Freundin hatte; und dass er dort an Heroin gekommen ist: selber Schuld! (zu dem Fall hatte ich Akteneinsicht) Und es reicht schon, wenn der Junge eine einzige Woche älter nur ist als das Mädchen, dass er praktisch zwangsläufig wegen schweren Kindesmissbrauchs eingesperrt wird, da gilt die vielmissbrauchte UN-Kinderrechtskonvention plötzlich nicht mehr. Ein 14-jähriger, der eine noch 13-jährige Freundin hat ist also ein böser Kinderschänder, während umgekehrt niemand auf die Idee kommt eine 14-jährige einzulochen: Immer wieder diese offensichtliche Verlogenheit und eklatante, anachronistische Dämonisierung des Männlichen, verkörpert im männlichen Glied: Völlig jenseits jeder Rationalität und daher so hochgradig gefährlich, getragen von Männern in Reflexen zwischen  Kavalierstum und Konkurrenz im Festhalten an der Fantasie vom edlen Weib, das es zu schützen gelte gegen das Böse im anderen Mann.
So wurde die Banalität des Vaginalakts, kaum das sie in den 1960er und 70er Jahren erkannt wurde, wieder aus dem Bewusstsein der Leute verdrängt durch eine ideologisch vergiftete Prüderie in einer absurden Mischung aus klassisch-romantisch verklärter(, heiliger) Jungfräulichkeit, bigott-bürgerlicher Sexualmoral und feministischer Männer- und Jungenhatz.
Aus dieser Irrationalität der Betrachtung der „natürlichsten Sache der Welt“ und der Staatsdoktrin vom weiblichen Opferabo resultieren dann die menschen(rechts)verachtenden Gesetzesverschärfungen im Sexualbereich gegen Männer und gleichermaßen gegen Jungen in der gesamten amerikanisch globalisierten Welt.
Fälle von tatsächlichem wie vermeintlichen Kindesmissbruch durch männliche Täter werden da ebenso zur androphoben Propaganda missbraucht wie die Silvestervorfälle. Die Silvesternacht war nur durch die Verquickung mit dem „Themenkomplex:Ausländer“ brisant, ansonsten war sie Politik, Medien und sogenannter Zivilgesellschaft höchst willkommen – weltweit. Nur wegen der Vermengung mit dem Flüchtlinsthema ging die allgemeine Hatz zögerlich los. Und das hat dich wie viele andere wütend gemacht; unter anderem diese Wut  wurde dann vom Politik-Medien-Geflecht zusätzlich ausgenutzt, um Gesetzesverschärfungen durchzuschleusen, die im Kern mit den Silvestervorfällen exakt nichts zu tun haben. Das zunächst Zögerliche ist dabei bloß die Folge der Kollision von zwei im Zeitgeist besonders geschützter Güter gewesen, Opferabo einerseits und Multikulti andererseits, das passiert in dieser Konstellation seit Jahrzehnten regelmäßig. Prominentes Beispiel ist der 20, 30 Jahre währende Konflikt um die radikale Ächtung jedweder Beschneidung von Mädchen, in dem einige (pro)feministische Gruppierungen die Ächtung als „Eurozentrismus“ und „Kulturimperialismus“ ablehnten. Fast über Nacht fiel die Entscheidung zugunsten der „Verstümmelungsfraktion“ und schlagartig wurden die Verfechter der Kulturimperialismusthese zu verabscheuungswürdigen Ketzer erklärt.
Schau doch mal in die Geschichte wie im Nachhinein der herrschende Zeitgeist ferner Zeiten oder ferner Länder betrachtet wird? Ja, gegen diesen fernen Wahnsinn wird jetzt mutig Farbe bekannt! In sicherer Verspätung. – Totschlagsphrasen hüben wie drüben: Damals war man Vaterlandsverräter, heute Sexist, Nazi etc.: Jede Zeit hat ihre Vorurteile, die durch  Tabus und Totschlagsphrasen geschützt werden. Alles klar. Dabei ist es „eigentlich“ allgemein anerkannt, dass die menschliche Wahrnehmung stark beeinträchtigt wird von den grad herrschenden Vorurteilen und Erwartungshaltungen – aber natürlich nicht im hier&jetzt.
Stell dir mal einen vernünftigen Vertreter der heutigen Zeit vor, der mit „seinen“ korrekten Anschauungen versetzt wird in die vergleichsweise moderate spätviktorianische Zeit von Imperialismus, Nationalismus, Kolonialismus, Militarismus und früherer Prüderie: Es gäbe für den heute Rechtdenkenden, dich oder auch mich, keine Zeitung, keine (öffentlich wahrnehmbare) Person, der man auch nur halbwegs beistimmen könnte. Und der heutigen Zeit wird es genauso ergehen: Fast alles Zeitgeisttypische wird einer Revision unterliegen, nur wenig wird bestätigt werden. Aber man ist heute ja so stolz, frei von Vorurteilen zu sein, frei von den Vorurteilen längst vergangener Epochen, freigemacht für die Vorurteile, Tabus und Totschlagsphrasen des hier&heute, wobei das „hier“ in der ideologischen Globalisierung dahinschwindet in einen multimedialen Einheitsmeinungsbrei: Brave new world für die Einen – nineteeneightyfour für die anderen.